Michaela MajceAls ich ein Teen war, sind wir oft umgezogen. Meine Eltern wollte gerne in einem Haus mit Garten wohnen, eine Zeitlang überlegten sie sogar, nach Neuseeland auszuwandern und Schafe zu züchten. Die Idee fand ich damals alles andere als cool, ich wollte nicht aus Wien weg und vor allem nicht von meinen Freunden getrennt sein. Die Gärten in den Häusern, die sie so ausprobiert hatten, mochte ich allerdings sehr. Mein erstes Gemüsebeet entstand in unserem damaligen Haus in der Heudörfelgasse, im 23. Bezirk. Auf ungefähr einem Quadratmeter versuchte ich soviel verschiedene Sachen zu pflanzen, wie ich Samentüten fand. Plus eine Reihe Kartoffel. War natürlich alles viel zu eng beieinander, aber aufgegangen sind die Samen trotzdem. Und dann kamen die Hühner und machten meinen Salaten, Karotten, Gurken und was ich halt sonst noch gesät hatte, den Garaus. Ich war frustriert und ließ es sein. Zwei Monate später machte mit meine Oma die winzigen Kartoffel, die ich dann doch ernten konnte als Beilage. Die besten, die ich bis dahin hatte! 🙂 Das waren meine ersten Gartenerfahrungen.

Die nächsten folgten mit 25, als ich in die kleine Wohnung zog, in der ich auch jetzt noch wohne. Ein 2,5 Quadratmeter Balkon – super! Zuerst mussten alle möglichen Blumen her, Rosen, Oleander, Fuchsien (die dank der südseitigen Lage nicht lange überlebt haben)… Das erste Jahr lehrte mich, dass man auch im Winter gießen muss, wenn man will, dass die Pflanzen überleben. Erfroren ist keine, aber alle verdorrt. Dann kamen Kräuter, eine Traube und ein Apfelbaum zu den Rosen. Der Apfelbaum war super, vom zweiten Jahr an trug er 25 bis 27 Äpfel. Die Sockelsanierung machte dem Balkonleben für einen Sommer ein Ende. Bei meinen Eltern gingen die Pflanzen ein und ich musste wieder von vorne beginnen.

In der Zwischenzeit hatte ich die Selbsterntefelder entdeckt. Sowas musste ich auch haben. Jahr für Jahr kämpfte ich mehr oder weniger erfolgreich gegen Unkraut und konnte dafür im Sommer hauptsächlich Gemüse aus eigener Ernte essen. 80 Quadratmeter war der Feldanteil groß. Das Hinundherpendeln zwischen Siebenhirten und der Brigittenau war aber nicht so lustig und als die Hunde auch nicht mehr mit durften, dachte ich über Alternativen nach. Ich könnte mal schauen, wie viel der Balkon hergibt. Und auch meine drei Fensterbretter in die landwirtschaftliche Produktion miteinbeziehen. Gesagt getan.

BalkongartenZum “neuen” Apfelbaum und Weinstock – die zu diesem Zeitpunkt keine Früchte trugen – und den Erdbeeren im Kisterl kamen ein Haufen Kräuter, Bohnen, Salate, Radieschen, Paprika und Tomaten. Die Tomaten wurden von Jahr zu Jahr mehr, dazu kamen nun auch Gurken, Auberginen und Blattkohl. 2013 begann ich, inspiriert von Mark von Vertical Veg, meine Ernte zu wiegen und aufzuzeichnen. Außerdem beschloss ich auch in die Vertikale zu gehen. Hängetöpfe, Hängeregale und leere Plastikflaschen am Rosenbogen montiert bieten zusätzliche Fläche.

2014 nahm ich am Urban Gardening Wettbewerb der AMA teil und schaffte es auf den dritten Platz! Das gab Auftrieb, obwohl das Jahr nicht so toll lief wie geplant. Ich hatte viel experimentiert, viel gelernt, aber die Ernte war nur rund 9 Kilo.

Was wächst 2015?

In diesem Jahr, 2015, habe ich so einiges vom Erfahrungsaustausch des Vorjahres umgesetzt und erwarte eine Rekordernte! 😉 Für die zur Verfügung stehende Fläche habe ich immer noch zuviele Pflanzen. Ich tu’ mich schwer damit, welche auszuquartieren. Alles kriegt erstmal eine Chance. Balkon und Fensterbretter beherbergen heuer 22 Tomatenpflanzen, 7 Paprika, 4 Gurken, einige Kisterl mit Erdbeeren, Pflücksalate, Asia Salate, 4 Auberginen, 4 mal rotgestielten Mangold, einen Blattkohl, ca. 10 Bohnenpflanzen, Zuckererbsen, einen Apfelbaum, einen Weinstock, zwei Rosenstöcke, eine Pfingstrose und Unmengen von Kräutern – von verschiedenen Minzsorten über Salbei, Rosmarin, Petersilie, Bohnenkraut, Thymian, Zitronenmelisse, Anisysop, Estragon, Lauchgras, Basilikum, Thaikoriander und  zwei riesige alte Lavendelstöcke. Einer davon ist mittlerweile 12 Jahre alt. Bei den Tomaten habe ich teilweise auch Knoblauch gesteckt. Dann gibt es noch ein Weingartenpfirsichbäumchen, das ich voriges Jahr frisch aus dem Samen gezogen, geschenkt bekommen habe, einen Feigenbaum von einem Ableger meiner Nachbarin und Kurkuma. In meinem provisorischen Komposttopf sind auch ein paar Hokkaidokürbissamen aufgegangen, die ich ein bisschen verteilt habe, wo ich noch halbwegs Platz dafür fand. Mal schauen, ob die noch was werden. Oh, und ein Zucchini gibt es auch. Da war ich bislang aber auch noch nicht erfolgreich, sehen wir mal, ob das dieses Jahr klappt. 😉

Warum ich das überhaupt mache?

Abgesehen davon, dass ich es unglaublich entspannend finde, in der Erde zu wühlen und den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen, zu beobachten, was sich sonst so in der kleinen Oase, die ich geschaffen habe, tut, finde ich es wichtig, wenigstens einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit, was die eigene Ernährung angeht zu machen. Bei den Sachen, die ich selbst angeplanzt habe, weiß ich, was drin ist. Ich kann sie dann ernten, wenn sie wirklich reif sind – und den Unterschied schmeckt man! Ich bin davon überzeugt, dass wir alle mehr auf Regionalität achten müssten. Vor ein paar Jahren hab’ ich eine reißerische US-Doku zu Peak-Oil gesehen. Nachdem es kein Öl mehr gab, ist alles zusammengebrochen und die Leute mussten Hungern, weil die Nahrungsmittel aus der industrieähnlichen Produktion im Süden, nicht zu den Ballungsgebieten im Norden transportiert werden konnten. Strom war knapp. Ich dachte, ob die ihr Land wirklich so blöd zentral organisiert haben? Haben wir das auch? Umweltfreundliche Stromproduktion durch lokale Solar- und Windkraftwerke und eine Landwirtschaft, die dezentral, in allen Regionen stattfindet, würden so ein Szenario unmöglich machen. Ich leiste meinen kleinen Beitrag dazu. 😉

Viel Spaß auf diesem Blog!

Eure Michaela